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Empathie und Destruktivität

Veranstaltung zur Vortragsvorbereitung für den Kongress „Beyond Reconciliation“ vom  2. bis 6. Dezember 2009 in Kapstadt

Im Mittelpunkt der Diskussion unseres Samstagsgesprächs standen die beiden inzwischen fast fertig vorbereiteten Vorträge: zum einen über die Folgen des Holocaust in einer Überlebenden-Familie (über drei Generationen) und zum andern in einer Täterfamilie (zweite Generation).

Am Vormittag wurde das von Johannes Pfäfflin mit der Familie des Holocaust-Überlebenden David Reusmann durchgeführte Projekt vorgestellt und diskutiert. Grundlage des Projekts waren Interviews, die Johannes Pfäfflin mit David Reusmann, seiner Tochter Evelina Rije und seiner Enkelin Marina Sokolowa durchgeführt hat. Diese wurden zusammenfassend dargestellt und von Johannes Pfäfflin theoretisch erläutert. Anschließend wurde insb. über die Mechanismen der generationsübergreifenden Verarbeitung des Traumas und des langjährigen Schweigens in der Familie diskutiert.

Am Nachmittag stellte Erda Siebert den in Zusammenarbeit mit Elke Horn entstandenen Vortrag für Kapstadt vor: neben ihrer eigenen Familiengeschichte, als Beispiel für die zweite Generation einer Täterfamilie, wurde die Dynamik einer Intervisionsgruppen -Diskussion nach einer Fallvorstellung mit einer ähnlichen Familienkonstellation beschrieben. Hier ging es zentral um die unbewusste Weitergabe von tiefen Affekten wie Schuld-(gefühle), Scham, dem Agieren von verleugneten Aspekten der Eltern sowie der Schwierigkeit, eigene Täteranteile in sich selbst zu akzeptieren.

Das Nebeneinander beider Vorträge führte zu einem berührenden Dialog besonders der Betroffenen und ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Opfer- und Täterseiten. Hier ging es zentral um die unbewusste Weitergabe von tiefen Affekten wie Schuld-(gefühle), Scham, dem Agieren von verleugneten Aspekten der Eltern sowie der Schwierigkeit, eigene Täteranteile in sich selbst zu akzeptieren.