Wir über uns

Eines der zentralen Ziele von PAKH ist die Förderung des Dialogs und der Austausch persönlicher Geschichten. Das kann zu einem besseren gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis der individuellen Motive für die Arbeit in PAKH beitragen. Das Mitteilen der eigenen Familiengeschichte ist ein wesentliches Mittel der Bearbeitung traumatischer Erfahrungen, wie des Holocaust, auch in der zweiten und in den nachfolgenden Generationen.
Die Veranstaltung „Wir über uns“ bietet einen Raum für diese besondere Form des Dialogs. Sie ist nicht als (therapeutische) Selbsterfahrungsgruppe gedacht. Durch den Austausch in einer Atmosphäre des empathischen Zuhörens und des Bemühens um Verständnis für die Geschichte des anderen können Ängste, Befangenheiten und sonstige Schwierigkeiten im Umgang mit dem Thema langfristig überwunden werden. Aus dem individuellen inneren Monolog, der erfahrungsgemäß einsam macht, kann allmählich ein Dialog in der Gruppe werden. Die Teilnehmer werden durch das gegenseitige Berührtwerden bereichert.
In der Regel wird zunächst in kleinen Gruppen von maximal 3-4 Teilnehmer gesprochen. Anschließend werden die Ergebnisse der Gesamtgruppe mitgeteilt und dort diskutiert.


Die Schatten der Vergangenheit

Die verhängnisvollen Folgen von Genozid und politischer Gewalt sind heute weltweit ein zentrales, sehr bedrückendes Thema. Die jüngere deutsche Vergangenheit ist geprägt vom Zivilisationsbruch durch den Holocaust, dessen nachhaltige Auswirkungen auf die folgenden Generationen mittlerweile erforscht und anerkannt sind. Als Nachkommen von Überlebenden und Tätern sowie Mittätern und Mitläufern sind wir immer wieder mit den unbewältigten Erfahrungen der Eltern- und Großelterngeneration konfrontiert. Ihre Sprachlosigkeit angesichts traumatischer Erlebnisse und das Verschweigen aus uneingestandener Schuld und/oder Scham belasten die nächsten Generationen und können sie in schwere innere Konflikte stürzen. Ein respektvoller Umgang miteinander kann dadurch immer wieder gefährdet werden. Um dem entgegenzuwirken, möchten wir einen persönlichen und öffentlichen Raum schaffen, in dem interessierte Menschen eine Sprache für ihr Erleben und den Zugang zu ihrer individuellen und kollektiven Geschichte (wieder-)finden können. Dieser kann Vertrauen schaffen, in dem sich Dialog und Auseinandersetzung entfalten und neue Entwicklungen möglich werden können.


Ziel und Aufgabe des Vereins

Der Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust – ehem. PAKH e.V. wurde 1995 von jüdischen und nicht-jüdischen deutschen Mitgliedern, in der Mehrzahl Psychotherapeuten, gegründet. Er wendet sich an alle Menschen, die sich für ein Verständnis der Konflikte im Zusammenhang mit politisch und individuell motivierter Gewalt interessieren. Erklärtes Ziel des Vereins ist es, durch persönliche Auseinandersetzung und öffentliche Aufklärung dem individuellen und kollektiven Vergessen der Verfolgung im Nationalsozialismus entgegen zu wirken. Er versteht sich darüber hinaus – auf der Grundlage interdisziplinärer Forschung, insbesondere psychoanalytischer Erkenntnisse – als Initiative gegen das Wiederaufleben von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Dies umso mehr mit Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen!
Seit einigen Jahren hat sich der Verein aufgrund seiner internationalen Erfahrungen über Deutschland hinaus in die Gruppe der Konflikt- und Friedensforschungs-Initiativen eingereiht und sucht den Dialog und konzeptionellen Austausch mit vergleichbaren Projektgruppen.
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